Gesamtschule Windeck ganz oben mit dabei – Regionalfinale „Jugend debattiert“ in Bonn-Hardtberg
Hin und wieder vernimmt man ein leises Gemurmel. Ansonsten ist der gut gefüllte Empfangssaal im Bonner Hardtberg-Gymnasium totenstill. Gleich ist es so weit. Gleich werden die Finalisten für die finale Diskussionsfrage des großen Regionalfinales von „Jugend debattiert“ verkündet. Tiffany und Eddie, Schüler:innen der Jahrgänge 9 und 10 der Gesamtschule Windeck, warten gespannt auf ihr Ergebnis. Ob sie mit dabei sein werden? Immerhin ist es das erste Mal. Der Großteil der anderen teilnehmenden Schulen hat hier schon ein paar Jahre Erfahrung und ist sogar mit vier möglichen Schüler:innen angereist. Ob hier mit zwei Debattant:innen, die zum ersten Mal dabei sind, etwas für die Gesamtschule Windeck zu holen ist?
„Zur Vorbereitung habe ich mich auch in ein paar Bücher zu den Diskussionsfragen eingelesen“, sagt Eddie, Schüler der 10. Klasse der Gesamtschule Windeck. Schnell schaut er noch einmal auf seine bereits abgewetzten Karteikarten. Man merkt: Eddie nimmt es nicht auf die leichte Schulter. Sollte er auch nicht, denn zum Regionalfinale von „Jugend debattiert“ schaffen es nur die Schulsieger:innen der teilnehmenden Schulen, und diese haben somit bereits vorab rhetorisch ein großes Geschick bewiesen. Eddie und seine Mitschülerin Tiffany haben ebenfalls beim Schulfinale gewonnen und sich so den Einzug ins Regionalfinale gesichert.
Martin Wilmer (Lehrer) und Björn Ehrler (Schulsozialarbeiter) der Gesamtschule Windeck begleiten Tiffany und Eddie. Die beiden Pädagogen sind ausgebildete Juroren und werden in dieser Tätigkeit die Debatten anderer Schüler:innen anhören und bewerten.
In der Altersgruppe I (Jahrgang 8–10) treten insgesamt 44 Debattant:innen an. Vorab gab es zwei Wochen Zeit, sich mit den Diskussionsfragen auseinanderzusetzen. Zwei der drei vorgegebenen Fragen dienen der Vorrunde, nach deren Ende vier Sieger:innen anhand der Jurorenwertungen ermittelt werden, welche wiederum im Finale zur dritten Diskussionsfrage debattieren. Welche Frage und welche Position, also ob den Schüler:innen eine Pro- oder Contra-Argumentation zugeteilt wird, bleibt für alle Teilnehmer:innen, und damit auch für Tiffany und Eddie, bis kurz vor Beginn offen. Es gilt also, flexibel zu bleiben. Eine gute Vorbereitung ist alles. Tiffany und Eddie wirken fokussiert. An ihnen soll es nicht liegen.
Nach der Eröffnung des Regionalfinales durch den Regionalkoordinator Knut Bender löst sich die im Raum herrschende Anspannung ein wenig auf. Nun geht es zügig los. Der Tag ist eng getaktet. Es wird in mehreren Räumen zugleich debattiert. Jede Debatte wird dabei von einem Juryvorsitz, zwei Juroren und einem Zeitwächter begleitet. Die erste Runde startet mit der Frage, ob Haustierhalter zu einer Tierkrankenversicherung verpflichtet werden sollten. In der zweiten Runde wird darüber diskutiert, ob für Privatgärten eine insektenfreundliche Gestaltung vorgeschrieben werden sollte. Es folgen teils heftige und stark geführte Kontroversen. Die beiden Juroren der Gesamtschule erleben sehr intensive und mit starken Argumenten geführte Debatten von Schüler:innen weiterer teilnehmender Schulen. Tiffany und Eddie geht es ähnlich; auch sie berichten von schlagfertigen Debatten und rhetorisch starken Argumentationen ihrer Mitstreiter:innen. Dennoch haben sie ein gutes Gefühl – und das soll sie nicht trügen.
Nach dem Ende der zweiten Runde finden sich alle Teilnehmer:innen wieder im Empfangsraum ein. Die Anspannung ist spürbar, fast greifbar. Endlich verkündet Knut Bender die Ergebnisse. Erst einmal erwähnt er, wie eng das Teilnehmerfeld hinsichtlich der Punktevergabe in den vier zu bewertenden Kategorien (Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft) beieinanderliegt. Die ersten vier Plätze erreichen dabei jeweils Schülerinnen der teilnehmenden Gymnasien. Die Enttäuschung ist Tiffany und Eddie anzusehen. Doch dann folgt die große Überraschung: Eddie hat es unter die ersten zehn geschafft. Mit einem starken 9. Platz sichert er der Gesamtschule Windeck einen Platz unter den Top Ten – und das gleich bei seiner ersten Teilnahme. Wahnsinn! Auch Tiffany erzielt ein starkes Ergebnis und landet auf Platz 20 – also im vorderen Mittelfeld. Was für eine starke Leistung! Zum ersten Mal dabei und nur mit zwei von vier möglichen Schüler:innen angetreten – das kann sich wirklich sehen lassen. Eddie ist sich schnell sicher: „Beim nächsten Mal bin ich auf jeden Fall wieder dabei. Das werde ich so nicht auf sich beruhen lassen.“
